Tag 6

Zum Frühstück gibt’s Re-Import (WASA Knäcke) und Müsli. Der Beginn der nächsten Etappe soll eigentlich nur ca. 100 entfernt liegen. Die Einfahrt in den Tvärälven offenbart sich in der verschilften Bucht aber erst, als wir schon drin sind. Leider ist der idyllische Bach nur 2 km lang, die angekündigte Portage an einer Schnelle fällt aus wegen Niedrigwasser. Eigentlich nicht erkennbar, dass hier überhaupt etwas schnellen kann. Eine Ziegenherde, die durch den dichten Wald streift, kündigt einen kleinen Hof an. Kurz darauf ist der nächste See erreicht, der einigen km mit der nächsten Portage endet. Eigentlich sollen es nur 50 m sein, die kleine Seebucht der Einsatzstelle ähnelt aber einem Steinbruch mit Wasserpfütze. Die Stege lassen schließen, dass hier mehr als 1 m Wasserstand fehlt. Wir folgen dem Weg, bis wir über ein Hüttengrundstück den See erreichen. Die "Verhüttung" des Bredreven kündigt schon die größere Ortschaft Lesjöfors an. Bei der Anfahrt zum Ort durch den Lesjöforsälven häufen sich die Stege und Bootshäuser. Sicherheitshalber haben wir vorher unsere Wasserflaschen aufgefüllt, da die Wasserqualität hier nicht so lecker sein soll. Am Ortsrand setzen wir aus und machen uns auf den Weg durch den Ort. Unterwegs lockt ein Supermarkt, die schwedische Nahrungsmittelindustrie zu unterstützen. Wir parken auf dem Rasen und ich mache mich ans Einkaufen. Da man ja nicht nur Obst essen soll, kaufe ich noch schwedische Törtchen mit verschiedenen Füllungen. Ein älteres Paar fehlt durch deutsche Sprache auf, entpuppt sich aber als schon lange in Småland lebend. Hier seien sie aber nur zu Besuch, zum Leben wäre es viel zu kalt hier. Vor dem Supermarkt spricht uns dann ein älterer Mann an, mit dem wir auf englisch ins Gespräch kommen. Bald stellt sich heraus, dass er auch Deutscher bzw. Ostpreuße ist, schon lange nach Schweden ausgewandert. Wir reden etwas übers Campen und er warnt uns, irgendwo im Auto zu übernachten. Es würden ja so viele "Ausländer" rumlaufen, die es auf uns abgesehen haben. Außerdem würden es immer mehr und alle sind kriminell. Als er anfängt, sich immer mehr aufzuregen, machen wir uns vom Hof. Irgendwie ist uns heute nicht nach Altnazibekehrung. Wir schieben dem Ortsausgang entgegen und suchen auf dem Gelände eines alten Sägewerks nach der Einsatzstelle. Richtig sieht es hier nicht aus. Nachdem wir uns durch den Uferbewuchs geschlagen haben, sehen wir auf der anderen Seite die wohl richtige Stelle – nächstes Mal wissen wir Bescheid. Schnell ist dann der schmale Lesjö gepaddelt und nach kurzer Portage der Näsrämmen erreicht. Wieder einmal leuchtet uns eine weiße Kirche auf einer Halbinsel im Sonnenlicht entgegen. Die Törtchen im Gepäck warten, wir suchen uns eine Insel als Lagerplatz. Als wir uns nähern, wuselt ein Marder am Ufer lang, also doch noch Tiersichtung. Ich erkunde die Insel mit meiner kleinen Säge und finde einen schön abgelagerten Windbruch - Forstpflege muss sein ! Das Feuer fällt heute etwas großzügiger aus. Nachdem das Fertiggericht wieder mal getagt hat, fülle ich die Zuckerreserven mit dem einheimischen Backwerk auf, dazu ein Schluck Seewasser, welches hier wieder Trinkwasserqualität hat.

Tag 7

Nach dem Frühstück tunken wir das Boot für 10 Minuten ins Wasser, bevor wir über das Gut Rämmen zum nächsten See umtragen. Die Holzgebäude von Gutshaus und Wirtschaftgebäuden leuchten gelb und rot aus den hügeligen Wiesen, fehlt bloss noch das Klohäuschen, wo Michel seine Männchen schnitzt. Etwas weiter steht ein mächtiger Turm aus Feldsteinen, ein wiederaufgebauter alter Förderschacht des alten Bergbaugebiets. Wir halten uns nicht lange mit Kultur auf und machen das Boot wieder nass. Über eine Kette kleinerer Seen mit schmalen Durchfahrten bewegen wir uns nach Südwesten. Die Felsen an Ufern und Inseln lassen auch hier auf einen niedrigen Wasserstand schließen, stellenweise rutschen wir über den schlammigen Boden. Bei der Mittagsrast macht sich Silke ans Andenkensammeln, dank des Wasserstands liegen am Ufer allerlei bizarre hölzerne Treibgüter bereit. Gegen Mittag noch mal 1,2 km bootswaging, die letzten steilen Meter durch den Wald zum See müssen wir selbst tragen. Auf dem folgenden See wird die Orientierung etwas schwieriger, da die schwimmenden Inseln mit der Uferlinie Versteck spielen. Immer wieder sieht es aus, als ob der See gleich endet, bevor sich wieder eine Durchfahrt auftut. Eine leicht freudige Erregung macht sich breit, als wir die letzte 900 m lange Portage angehen. Dann können wir die Paddeltour auch tatsächlich auf dem Wasserweg beenden.

 

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Da es nur fast eine Rundtour ist, trennen uns noch ca. 11 km von unserem Auto. Ich hab zwar die Nummer vom Värmlandsgarden, der uns auch abholen würde. Der outdoor-Stolz drängt mich aber dazu, die Sache selbst zu Ende zu bringen. Silke tut ihren Teil und macht sich es in der Sonne am Seeufer gemütlich. Ich mache mich also zu Fuß auf den Weg. An der Landstraße hoffe ich allerdings auf technische Unterstützung und lass im Gehen den Arm hochschnellen, sobald ich ein Auto hören. Der etwa zehnte Volvo hält tatsächlich an (haben die Schweden schon gehört, dass es auch andere Automarken gibt ?) , ein Vater mit drei Jugendlichen. Wahrscheinlich sehe ich uncool aus, zumindest scheinen die Kids nicht gerade begeistert, etwas zusammenrücken zu müssen. Nach kurzer Irritation wenden sich alle drei aber wieder ihren Handys zu. Etwas smalltalk mit dem Vater, dann ist auch schon die Abzweigung erreicht. Immerhin 8 km Fußweg erspart, so sind die letzten 2 km schnell erledigt. Angekommen melde ich mich noch bei der Campleitung ab und fahre dann los, um Silke abzuholen. Sie hat nicht so schnell mit mir gerechnet - so habe ich noch das Glück, beim Allyzerlegen mithelfen zu dürfen.

So, jetzt waren wir irgendwie zu schnell unterwegs, und noch soviel Urlaub übrig. Also Plan B : Ab in den Süden und noch ein bisschen im Dalsland plantschen.

Dort machen wir noch eine kleine 3 Tages Tour und beenden dann unseren Urlaub, um noch an dem größten gesellschaftlichen Ereignis des Jahres teilnehmen zu können : Canadiertreffen im Spreewald !

Zuhause nachgemessen komme ich statt der angegebenen 150 km auf ca. 125 km, es wurde wohl etwas Kanuslalom mit eingerechnet. Die Portagelängen stimmen aber. Bei etwas mehr Gelassenheit kann die Tour sicher auf 10 Tage ausgedehnt werden, vor allem, wenn das Wasser etwas angenehmere Badetemperaturen hat. Dafür ist wohl dann nicht so einsam. Die Tourbeschreibung findet ihr im Regenbogen Reiseführer "Kanuwandern in Schweden" , Anschluss- oder Abstechertouren auf dem Svartälven bieten sich an. Exzessive Bootswagenfahrer können auch die benachbarte Tour "Le grand expedition" mit einbeziehen, die teilweise über die gleichen Gewässer führt.

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