Einsteigertip (2)

den Canadier richtig trimmen

Der richtige Trimm des Bootes wird oft unterschätzt. Viele Probleme mit dem Steuern und Kurs halten resultieren aus einem falschen Trimm des Canadiers. "Wir können machen was wir wollen, das Boot dreht immer wieder nach links!" oder "Bei Wind geht nur noch ein Doppelpaddel!" Im Tandemcanadier ist dann immer der andere Paddelpartner Schuld, wenn es dann nicht so läuft, bei Paaren natürlich immer die vorn sitzende Ehefrau. Die folgenden Abbildungen zeigen vereinfacht, wie es besser geht.

Trimmen-Fehler.jpg (9987 Byte)    Trimmen-Richtig.jpg (11616 Byte)
Falsch: Seltsamerweise sieht man relativ häufig solche und ähnliche Bilder. Der Schwerpunkt und Drehpunkt des Bootes befindet sich nicht in der Mitte, sondern viel weiter hinten. Die Kiellinie ist erheblich kürzer, die breiteste Stelle der Wasserlinie ist deutlich schmaler. Das Boot liegt instabil auf dem Wasser, das Risiko zu kentern ist deutlich höher. Der Bug ragt als "Windfahne" in die Höhe, schon bei einem leichten Wind ist das Boot kaum auf Kurs zu halten. Auch wenn man z.B. durch Gepäck das Boot gerade auf dem Wasser liegt, kann aus der Position im Heck das Boot nur schlecht manovriert werden, da der Paddler keine Steuerschläge vor dem Drehpunkt des Bootes machen kann, die besonders wirkungsvoll sind. Richtig: Das Boot liegt gerade auf dem Wasser. Der Schwerpunkt und der Drehpunkt des Bootes befinden sich in der Bootsmitte. Der Canadier kann die konstrukionsbedingten Eigenschaften voll entfalten und die besten Laufeigenschaften zur Geltung bringen. Sollte eine Änderung des Trimms notwendig sein (z.B. bei Wind), sind nur noch kleine Veränderungen, wie das Verschieben eines Gepäckstückes notwendig. Es ist erstaunlich, welche Auswirkungen auf den Lauf des Canadiers schon kleine Veränderungen des Trimms haben.
   
Trimmen-Solo.jpg (9895 Byte) Trimmen-unter Fahrt.jpg (18244 Byte)
Richtig: Solo im Tandemcanadier plaziert man sich nahe der Mitte, ein improvisierter Sitz (z.B: Packsack) macht die Sache bequemer. Der Schwerpunkt (also auch der Drehpunkt) des Bootes befindet sich in der Mitte. Das Boot kann seine Eigenschaften zur Geltung bringen. Der Paddler kann auch mit Paddelschlägen und Manövern vor dem Drehpunkt das Boot viel effektiver steuern, als vom Heck. Unter Fahrt wandert der Drehpunkt (blaues Kreuz) des Bootes in Abhängigkeit der Geschwindigkeit nach vorn und liegt nicht mehr beim Schwerunkt des Canadiers. Der Bug wird vom anströmenden Wasser "in der Spur" fixiert, während das abfließende Wasser das Heck eher "frei schwingen" läßt. Aus diesem Grund sind z.B. Kurskorrekturen am Bug wesentlich wirkungsvoller, als heftige Steuerschläge am Heck. Durch diese Verlagerung des Drehpunktes resultieren aber auch wieder Probleme beim Kurshalten bei seitlichen Winden.
     
Trimmen-Windeinfluss.jpg (18978 Byte) Trimmen-Windeinfluss-ausgeglichen.jpg (19336 Byte)
Wind ist eine häufige Quelle für Probleme beim Paddeln, davon abgesehen, kommt er sowieso immer aus der falschen Richtung. Da der Drehpunkt unter Fahrt nach vorn wandert, findet der Wind zwei unterschiedliche "Hebel" am Boot vor. An dem längeren Hebel kann ein seitlicher Wind nun das Bootsheck permanant aus der Spur drücken, so daß die Paddler einen erheblichen Teil ihrer Kraft in Kurskorrekturen verwenden müssen. Besser ist es, wenn bei einem seitlichen Wind der Canadier leicht hecklastig (z.B. Verschieben eines Gepäckstückes) getrimmt wird. So liegt unter Fahrt der Drehpunkt des Bootes annähernd im Schwerpunkt bzw. Mittelpunkt, der Wind drückt an zwei Hebeln, die gleich lang sind. Das Heck kann nicht mehr aus dem Kurs gedrückt werden. Hier wirken sich schon kleine Veränderungen spürbar aus. Auch bei Winden, die mehr von hinten kommen, ist diese Veränderung des Trimms hilfreich, beim Gegenwind ist diese Trimmänderung nicht nötig.